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Juli 2020 

«Hast du die Chancen von Corona für dich schon erkannt? Stell dir vor, Corona ist vorbei und du hast es nicht genutzt!»

Corona ist nicht nur ein Virus. Corona wird uns auch in Erinnerung bleiben als gesellschaftliches Phänomen. Als eine Zeit, in der unser gewohntes Leben auf den Kopf gestellt wurde.
Verschiedene Reaktionen auf den Lockdown konnte ich in meinem beruflichen und privaten Umkreis beobachten. 
 Die einen Erwachsenen durften weiterarbeiten ohne Einschränkungen, eine weitere Gruppe im Homeoffice. Wer, wie ich im öffentlichen Dienstleistungssektor sein Auskommen findet, war plötzlich von der Arbeit und gleichzeitig vom Einkommen «befreit». Meine Praxis wurde per Erlass stillgelegt. Auch die Kinder hatten Urlaub von der Schule und orientierten sich nur noch anhand von Arbeitsaufträgen und Homeschooling. Viel Zuhause, bei sich sein war angesagt. Es fand eine Rückkehr zu sich selber statt, zum kleinsten Kreis, zur Familie.
 Chance 1: Bedingt durch diese Zwangspause hatte ich mehr Zeit zur Verfügung als sonst. Diese Chance habe ich genutzt. Jedoch habe ich so viel Anderes erledigt, wozu ich normalerweise eben keine Kapazität habe, dass ich mich rückblickend komplett überfordert und überanstrengt habe. Ganz nach dem Motto: Stell dir vor, Corona ist vorbei und du hast es nicht genutzt. So habe ich neben viel Putzarbeit auch meine neue Homepage fertiggestellt und ins Netz gestellt, über 50 Übungssitzungen der Transformationstherapie abgehalten und neue Kommunikationskanäle kennengelernt. Dies war sehr lehrreich, erfüllend und zugleich anstrengend.
Worauf ich jedoch mit Freude zurückblicke, sind die vielen Spiele mit meiner Tochter, die Spaziergänge im Wald mit tiefschürfenden Gesprächen, herzhaftem Lachen und Philosophieren.
Das öffentliche Leben spielte sich langsamer, überlegter, reduzierter oder gar nicht mehr ab.
Angst, Beklemmung, Bedrohung war überall spürbar, als ich zum Einkaufen fuhr. Dies geschah seltener als früher. Denn ich fühlte mich dort eingeengt, in meiner normalerweise offenen, kommunikativen und fröhlichen Art eingeschränkt. Aber auch unbehaglich, beobachtet, isoliert und unwohl. Am Anfang hat mich diese Stimmung sehr belastet. Ich fühlte mich nicht mehr als ich selbst, wie fremdgesteuert. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, an die 2 Meter Abstand, an  viele mürrische Gesichter, die Verschlossenheit der Menschen.
Chance 2: Ich habe ganz klar erkannt, welche Art von Kontakten ich pflegen will, welchen Umgang mit Menschen ich erleben möchte: Er soll leicht, herzlich, hilfsbereit und offen sein, es darf Platz sein für viel Humor und Lachen. Nun, da ich das Gegenteil kennengelernt habe, freue ich mich wieder auf die nächste Phase, die Lockerung, wenn alle Infektions-Wellen hoffentlich schadlos an mir vorübergerauscht sein werden.
Viele von uns (oder etwa doch nicht so viele?) haben sich in dieser Zeit Gedanken über das Leben gemacht. Einige haben sich Fragen gestellt wie:
Wieviel brauche ich zum Leben, um glücklich zu sein?
Wieviele jährliche Reisen, Vergnügungen, Ablenkungen, Konsumgüter erhöhen meine Lebensqualität? Auf wen kann ich mich in heiklen Situationen verlassen?
Und worauf möchte ich nicht mehr verzichten, was ist mir wirklich wichtig?
Oder sogar die Frage nach dem «Wer bin ich? Wozu bin ich hier? Was möchte ich in meinem Leben noch tun? Wer möchte ich sein? Wer bin ich, wenn alle Äusserlichkeiten, die ganze Hülle, das Drumherum wegfällt?» Da wird es dann schon ziemlich philosophisch.
Im Gespräch mit Menschen in meiner Praxis kam hierzu immer zuerst die Antwort, dass das Zusammensein mit lieben, vertrauten Menschen unersetzlich ist und wirklich gefehlt hat.
Die einen haben den Lockdown wirklich geniessen können. Die Ruhe, die Stille, der langsamere Rhythmus, die Zeit, um einmal andere Dinge zu tun als sonst…
Chance 3: Lebensfragen stellen, die Antworten darauf aus meinem Inneren herauswachsen lassen, herausfinden, wer ich bin. Aussortieren all meiner täglichen Aktivitäten und Glücklichmachendes (z.B. meine Waldspaziergänge) trennen vom unnötigen Rest (z.B. News und Infos über das Übel auf der Welt). Ich habe mehr Mut, Nein zu sagen zu Dingen, die mir nicht guttun. Auch wenn dies bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen und dass ich von anderen als schräger Vogel bezeichnet werde.
Mein Fazit: Ich bin ein schöpferisch-kreatives Lebewesen der Liebe auf einer Erdenreise in diesem Körper, verbunden mit der Quelle allen Seins. Ich sammle Erfahrungen, darf Verantwortung für mein Tun, Fühlen und Denken übernehmen, und ich kann nicht mehr tun kann, als im Moment zu leben, zu akzeptieren und zu lieben, was ist.
Jeder und Jede von uns ist seinen/ihren eigenen Herausforderungen begegnet.
Welche Chancen hast du bekommen in dieser besonderen Zeit? Hast du dir die Zeit genommen, deine Chancen zu erkennen und sie zu nutzen?